Protokolle geldpolitischer Sitzungen erscheinen regelmäßig und in vergleichbarer Form. Sentiment-Indizes übersetzen sie in eine Zahl: positiv, neutral, negativ. Was einfach klingt, hat feine Kanten, die beim Lesen sichtbar werden müssen.

Was ein Sentiment-Index misst

Ein Index zählt Wörter, die in einem Wörterbuch als positiv oder negativ markiert sind, und setzt sie zueinander ins Verhältnis. Steigt der Anteil positiver Begriffe, steigt der Index. Die Aussagekraft hängt am Wörterbuch: Ein Wort, das in der Geldpolitik „entschlossen“ bedeutet, kann im Alltag etwas ganz anderes meinen.

Wo die Methode an ihre Grenzen kommt

Vorbehalte sind das erste Problem. Ein Satz wie „die Inflation dürfte vorübergehend ansteigen“ enthält ein positives Wort, meint aber eine Belastung. Ironie ist das zweite Problem — sie kommt in Protokollen selten vor, in Reden häufiger. Ein drittes Problem ist der Kontext: „Wachstum“ ohne „schwach“ davor liest sich anders als mit.

Was die Leserin daraus macht

Ein Sentiment-Index ist eine Lesehilfe, kein Signal. Er zeigt, ob die Tonalität einer Periode wärmer oder kälter wird. Die Deutung, ob das geldpolitisch relevant ist, bleibt Aufgabe der Leserin. Die Beiträge dieser Redaktion enden deshalb an dieser Stelle meist mit einer Frage, nicht mit einer Empfehlung.